Was gewesen ist, können wir nicht ändern.
Ich bin zurückgekommen, um mit euch zusprechen, euch die Hand zu reichen.
Und euch zu bitten, dass ihr die Zeitzeugen sein sollt,
die wir nicht mehr sehr lange sein können. Was war, können wir nicht ändern.
Es darf nur nie wieder geschehen.
Es ist in eurer Hand, dass ihr vorsichtig seid.“
Margot Friedländer (1921–2025), Holocaustüberlebende,Theresienstadt
Der 27. Januar – ein Tag der Verpflichtung
Der Holocaustgedenktag erinnert an die Befreiung des Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz und an die Millionen Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft. Für den KKV ist dieser Tag kein bloßes historisches Gedenken, sondern eine Selbstvergewisserung über Verantwortung – heute.
Der KKV im Nationalsozialismus: Werte im Widerspruch, Verband zum Schweigen gebracht
Die Grundlagen des KKV – christliche Sozialethik, Menschenwürde, Gemeinwohl und Verantwortung – standen und stehen im radikalen Gegensatz zur Ideologie des Nationalsozialismus. Rassenwahn, Antisemitismus, Führerkult und totalitäre Herrschaft waren und sind mit einem christlichen Werteverband unvereinbar. Eine ideologische Nähe oder Identifikation des KKV mit dem NS-Regime hat es nicht gegeben, wird es nicht geben.
Wie andere katholische Verbände wurde auch der KKV nach 1933 systematisch überwacht, eingeschränkt und schließlich aufgelöst. Spätestens ab 1938/39 war der Verband organisatorisch zerschlagen und öffentlich handlungsunfähig. Zwischen 1939 und 1945 konnte es keine öffentliche Positionierung geben – nicht aus Zustimmung, sondern aufgrund diktatorischer Repression.
Gewissensentscheidungen statt institutioneller Stimme
Was blieb, war die Verantwortung des Einzelnen. Widerstand zeigte sich nicht organisiert, sondern individuell: leise, riskant und mit persönlichen Konsequenzen verbunden. Einzelne widersprachen aus christlichem Gewis-sen, andere passten sich an oder schwiegen aus Angst. Diese Ambivalenz gehört zur historischen Wahrheit.
Neubeginn nach 1945: Auftrag aus der Geschichte – Appell und Vermächtnis auch heute
Nach dem Ende der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft beteiligte sich der KKV aktiv am demokratischen Wiederaufbau der Bundesrepublik Deutschland. Die Erfahrung von Gleichschaltung, ideologischer Verführung und moralischem Versagen prägte den Verband nachhaltig. Aus dieser Geschichte erwuchs ein bleibender Auftrag: christliche Verantwortung in Beruf, Wirtschaft, Verwaltung und Gesellschaft wachzuhalten – im Dienst der liberalen Demokratie, der Menschenwürde und des Gemeinwohls.
„Ich habe Angst. Ich habe richtig Angst.
Deshalb bin ich dankbar, dass ich die Schulen habe, …“
(Irene Binder1), geboren 1938 in Berlin, ist Tochter einer christlichen Mutter und eines jüdischen Vaters. Als Fünf-Jährige sah sie ihren Vater – Jude und Mitglied einer Widerstandsgruppe – letztmalig in der Haft in Berlin-Plötzensee. – Heute, mit 88 Jahren, wendet sich die aktive Zeitzeugin insbesondere an Schulen.)
Heute spricht die polnische Auschwitz-Überlebende Tova Friedman als Gastrednerin im Deutschen Bundestag. Mit den Stimmen der Opfer richtet sie sich auch an uns, den KKV, heute: nicht zu schweigen, nicht zu relativieren, sondern klare Haltung zu zeigen gegen Antisemitismus, Menschenverachtung und jede Form ideologischer Ausgrenzung. Die Erinnerung verpflichtet zum Handeln – auch heute!
Nie wieder!- ist ein Auftrag an jede Generation und an uns als katholischer Berufs- und Werteverband, dass niemand in unserer liberal-demokratischen Gesellschaft Angst haben muss.
Gedanken von Heidi WInckelmann, stellv. KKV-Bundesvorsitzende

