Wo der Teufel tanzte und das Herz lachte:
GREVEN. An einem jener kalten Novembertage, an denen man die dunkle, herbstliche Welt am liebsten aussperrt, bot die Gaststätte Wauligmann in Greven den perfekten Zufluchtsort. Über 40 Mitglieder und Gäste der KKV Ortsgemeinschaft Greven waren der Einladung gefolgt und fanden drinnen einen warmen Kontrast zum nasskalten Grau. Die Luft war erfüllt von Vorfreude, es roch nach westfälischer Gastlichkeit, Gläser klirrten leise. Doch im Mittelpunkt stand ein Klang, der sofort ein Gefühl von zuhause vermittelte: das vertraute Plattdeutsch.
Das Motto „Brauchtumspflege einer fast verlorenen Sprache“ klang zunächst nach Arbeit, doch das Lachen im Saal bewies schnell das Gegenteil. Josef Ridders, Vorsitzender der Ortsgemeinschaft, blickte zufrieden in die Runde: „Platt ist mehr als Vokabeln. Es ist der Herzschlag unserer Region.“
Von der Bühne ins Leben
Dass dieser Herzschlag an jenem Abend besonders kräftig pochte, war Elisabeth Georges zu verdanken. Die ausgewiesene Kennerin der Sprache, bekannt von der niederdeutschen Bühne in Münster, zog das Publikum ohne große Gesten in ihren Bann. Sie sprach ein Platt, das so klar war, dass es selbst ungeübte Ohren wie Musik erreichte.

Thematisch ging es ans Eingemachte: an „Dat Geld“ von Augustin Wibbelt. Mit westfälischem Augenzwinkern rezitierte Georges Lebensweisheiten von zeitloser Aktualität. Als sie feststellte: „Geld regeert de Welt“, nickten viele zustimmend. Doch der hiesige Humor braucht die drastische Bildsprache: „für Geld kanns den Düwel dansen seihen“. Besonders tiefsinnig wurde es bei der Erkenntnis: „Riek to wäern is kiene Kunst, aower riek to bliewen, dat is de Kunst.“ Sätze, die in der hochdeutschen Übersetzung ihre Seele verlieren würden.
Döhnkes mit Tiefgang
Elisabeth Georges beließ es nicht bei Sprichwörtern. Sie entführte die Zuhörer in Geschichten, die das pralle Leben spiegelten. Ob vom „Tuorfbuer ut de Vienne“ oder in der Anekdote „De niee Knecht“ – es blieb kein Auge trocken. Es war dieser feine Humor – schlitzohrig, aber nie bösartig –, der die Menschen im Saal verband.
Ein Blick zurück: Das Erbe bewahren
Der gute Besuch der Veranstaltung war keine Selbstverständlichkeit, denn das Plattdeutsche hatte es historisch nicht leicht. Jahrhundertelang war das Westfälische die Sprache der Hanse und des Handels. Doch mit der Industrialisierung und nach dem Zweiten Weltkrieg galt es plötzlich als „Sprache der einfachen Leute“. In den Schulen verpönt, drohte sie zu verstummen.
An diesem Abend aber erlebte die Sprache eine Renaissance. Sie war vom Gebrauchs- zum Wertgegenstand geworden. Josef Ridders war sich dieser Verantwortung bewusst. Während der Applaus für Elisabeth Georges nachhallte, fand er nachdenkliche Worte: „Es wird schwerer, Referenten zu finden, die diese Sprache noch so authentisch beherrschen wie Frau Georges. Sie werden rar. Aber wir als KKV geben nicht auf. Solange wir zuhören, lebt die Tradition.“
Global denken, lokal handeln
Dass der KKV den Blick auch über den Tellerrand richtet, zeigte sich am Ende des Vortrags. Elisabeth Georges verzichtete auf ihr Honorar und spendete die Summe für eine Schule in Brasilien. Als Josef Ridders ihr zum Dank ein Präsent überreichte, schloss sich der Kreis. „Hier im Münsterland lachen wir auf Platt“, sagte Ridders, „und in Brasilien helfen wir Kindern beim Lernen. Das ist gelebte christliche Soziallehre.“

