KKV-Europaseminar in Vierzehnheiligen

Wenn die Demokratie unter Druck gerät: Ursachenforschung im Schatten der Basilika

Vierzehnheiligen. Draußen herrscht herbstliche Ruhe rund um die weltberühmte, von Balthasar Neumann erbaute Basilika. Drinnen in den benachbarten Bildungs- und Tagungshäusern hingegen wird seit Freitagabend intensiv und leidenschaftlich debattiert. Rund 25 Teilnehmerinnen und Teilnehmer sind an diesem Wochenende zusammengekommen, um sich bei einem fundierten Europaseminar einer der drängendsten Fragen unserer Zeit zu stellen: dem Rechtsruck in Europa.

Eingeladen zu diesen „Europatagen“ haben die Arbeitsgemeinschaft Demokratischer Kreise (ADK e.V.) in bewährter Kooperation mit dem KKV Bildungswerk Bayern (BWB). Wer an diesem Samstag einen Blick in den hellen Seminarraum wirft, sieht eine hochkonzentrierte Runde, die sich in klassischer U-Form formiert hat und den Referenten aufmerksam folgt. Unter den Teilnehmern weilt auch der KKV-Bundesvorsitzende Josef Ridders, dem die Debatte ein sichtbares Anliegen ist. „Wir dürfen als christlicher Verband nicht tatenlos zusehen, wie populistische Strömungen unsere demokratischen Grundwerte aushöhlen“, betont Ridders am Rande der Vorträge. „Dieses Seminar rüttelt auf und liefert uns das nötige Rüstzeug, um als Zivilgesellschaft im Alltag klare Haltung zu zeigen.“ Genau das ist der Kern des Wochenendes: Warum suchen immer mehr Wähler ihre politische Heimat an den extremen Rändern? Und wie kann Europa dem wiederaufkeimenden Nationalismus rechtzeitig Paroli bieten?

Das Programm, das die Veranstalter auf die Beine gestellt haben, ist dicht getaktet und exzellent besetzt. Bereits am Freitagabend zog der Historiker Thomas Weitzenfelder eine fundierte historische Bilanz und analysierte die aktuelle Renaissance rechtspopulistischer Parteien in Europa. Am heutigen Samstagvormittag nahm dann der Theologe und Religionswissenschaftler PD Dr. Matthias Pöhlmann ein Phänomen in den Fokus, das gesellschaftlich oft unterschätzt wird: die gefährliche Vermischung von sogenannter „rechter Esoterik“ und politischem Extremismus.

Viel Zeit zum Durchatmen bleibt den Anwesenden nicht. Am heutigen Nachmittag wird der Wissenschaftsjournalist Bernd Harder die Hintergründe grassierender Verschwörungstheorien entlarven, bevor der Publizist und Medienberater Michael Möhnle ab 16 Uhr den Finger in eine besonders empfindliche Wunde legt: Er beleuchtet die dunklen Seiten der sozialen Netzwerke und geht der Frage nach, wie diese als „Killer der Demokratie“ fungieren.

Möhnle wird es auch sein, der am morgigen Sonntagvormittag den Schlusspunkt der Tagung setzt. Dann geht es um den Blick nach vorn und die Frage, wie sich Europa bis zum Jahr 2030 als wehrhafte „Weltmacht der Demokratie“ rüsten muss, um die Zustimmung seiner Bürger zu sichern. Bis morgen Mittag die Koffer für die Abreise gepackt werden, dürfte in Vierzehnheiligen also noch ausgiebig diskutiert werden.

Einen ausführlichen Abschlussbericht lesen Sie in der kommenden Ausgabe der NEUEN MITTE.