Die Sehnsucht nach dem Unfassbaren

Wie lässt sich das Wesen Gottes begreifen? Dieser existentiellen Frage ging Pfarrer Martin Wierling bei einem beeindruckenden Vortragsabend der KKV-Ortsgemeinschaft Monheim am Rhein nach. Ein Abend, der nicht nur Antworten suchte, sondern vor allem neue Perspektiven eröffnete.

Es war ein Abend der leisen Töne und der großen Gedanken im Pfarrer-Franz-Boehm-Haus. Unter dem Titel „Von der Sehnsucht, das Wesen Gottes zu verstehen und von der Unmöglichkeit. Versuche der Glaubensweitergabe“ hatte der KKV eingeladen, und viele waren gekommen, um dem neuen Pfarrer an St. Gereon und Dionysius zuzuhören. Martin Wierling, der seit September 2025 in Monheim wirkt, verstand es von der ersten Minute an, sein Publikum auf eine Reise durch die Religionsgeschichte und die christliche Dogmatik mitzunehmen.

Vom Feuer der Steinzeit zum christlichen Gott

Wierling spannte den Bogen weit: Von den Höhlenmalereien der Steinzeit über die Naturreligionen, in denen Gott oft als furchteinflößende Macht gesehen wurde, die es gnädig zu stimmen galt. „Das ist nicht unser christliches Konzept“, stellte Wierling klar. Im Zentrum des christlichen Glaubens stehe ein Gott, der gut ist und sich in Jesus Christus endgültig offenbart hat.

Besonders anschaulich wurde es, als der Referent die Dreifaltigkeit erklärte. Mit einem Beispiel von Pater Pio verdeutlichte er das Unfassbare: So wie drei Brote aus dem gleichen Teig bestehen und doch eigenständig sind, so sind Vater, Sohn und Heiliger Geist eines Wesens. Gott schenkt sich immer ganz, nicht nur in Teilen. Der Vorsitzende der Ortsgemeinschaft, Herbert Süß, zeigte sich von dieser Herangehensweise tief beeindruckt: „Pfarrer Wierling schafft es, selbst komplexe theologische Geheimnisse so zu erklären, dass sie unser Herz erreichen. Das ist genau die Art von Impuls, die wir uns für das Miteinander in unserer Gemeinde gewünscht haben.“

Ein Strahl der Wahrheit in allen Religionen

Ein wichtiger Aspekt des Abends war der Blick über den eigenen Tellerrand. Bezugnehmend auf das Zweite Vatikanische Konzil und das Dokument „Nostra aetate“ erläuterte Wierling, dass auch in anderen Weltreligionen „Strahlen der göttlichen Wahrheit“ zu finden seien. Das Ziel aller Religionen sei es letztlich, der „Unruhe des menschlichen Herzens“ zu begegnen.

Dennoch betonte er das „Proprium christianum“ – das spezifisch Christliche: Die tiefe Beziehung des Menschen zu Gott, den wir als „Vater“ bezeichnen dürfen. Ein Verhältnis, das im Islam so nicht vorgesehen ist, da Gott dort als absolut erhaben und ohne Relation zur Schöpfung gesehen wird. „Es ist diese persönliche Nähe zu Gott, die uns als Christen eine ganz besondere Zuversicht gibt“, ergänzte Herbert Süß im Rahmen der anschließenden Diskussion.

Das Bild Gottes und die Gnade des Glaubens

Zum Schmunzeln und Nachdenken zugleich regte Wierlings Ausführung zu den Zehn Geboten an. Er stellte die provokante Frage, wie viele davon für Katholiken eigentlich gelten: „Es sind neun, denn gegen das Verbot, sich kein Bild von Gott zu machen, verstoßen wir in jeder Kirche.“ Doch er löste das Paradoxon sogleich auf: In Jesus Christus haben wir kein selbstgemachtes Abbild, sondern das uns geschenkte Ebenbild Gottes.

„Ein solcher Abend zeigt uns, dass Glaube kein starres Regelwerk ist, sondern ein lebendiger Prozess des Suchens und Findens“, resümierte Herbert Süß am Ende der Veranstaltung unter dem Applaus der Gäste. Die Teilnehmer waren sich einig: Auch wenn nicht jede Frage abschließend beantwortet werden konnte, so war dieser Vortrag doch ein großer geistlicher Gewinn für alle Beteiligten.